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"Es ging ums Nicht-Gesehen-Werden.
Sie verbargen sich, sie versteckten sich, sie wußten, daß Blicke böse waren, ihre eigenen böse werden würden, wenn sie sich zu sehr verrieten. Nicht die Berührung, mit Armen und Beinen, Füßestellen und Abschlagen wurde vermieden, sondern das Erkennen, es war nicht gut, entdeckt zu sein und geschaut. Augen und Körper waren so etwas Offenes, daß man in ihnen Gedanken erkannte. Wilde, stürmische, heimliche Gedanken, vielleicht mehr Blitze, Eingebungen, als schon langsam geronnene Erkenntnisse.

...

Da mußte etwas sein, eine Gefahr, von der ich nichts wußte. Wenn meine Angst vorbei war, kam die Leere, dann die Ruhe. Dann las ich die Bücher, die für den Herbst notwendig waren. Das Buch lag neben mir. Den ganzen Tag hatte ich mit dem Finger die Seiten umgeschlagen. Es war ein dickes Buch.

...

Ich stürze mich in die Arbeit. Ich schenke ihm Wörter um Wörter, und wenn er dann kommt, arbeite ich weiter, mit Korrekturstift und Kohlepapier. Meine schwarzen Finger mag er nicht. In deinem Zimmer, sagt er, bleibt die Luft stehn. Paris ergreift die Flucht. Die Wörter nutzen nichts. Nur meine Brüste, meine Scham, meine Jugend können ihn locken. Ich werde traurig und krank.

...

Die grünen Nadeln sind wie aus Plastik gemacht, die Erde wird damit bedeckt, der Tod kommt zufällig und gegen Morgen, da ist die Kälte am stärksten. Die Sonne scheint auf einen schwarzen Wagen, in dem das Opfer wegtransportiert wird, als solle sich die Szene als Warnung einprägen. Ein Umzug, so scheint es, wird nötig."

 

        Susanne Geiger - Nomaden, Südländer. Oder die Wahrheit der Kinder

26.10.08 11:53
 


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